Olympic National Park

Der Morgen in Forks startet ziemlich unterkühlt - nicht unsere Stimmung - die Temperatur. Übrigens, ich hatte gestern gar nicht erwähnt, dass Forks, WA seit den Twilight Büchern einen sprunghaften Anstieg der Besucherzahlen zu verzeichen hat. Die Saga spielt in Forks, sowohl was die Schauplätze in den Büchern betrifft, als auch in den gleichnamigen Hollywood Filmen. Für den kleinen Ort war "ein kleines Konjunkturpaket", Zitat Bürgermeister der Stadt.

Bevor wir uns heute von der Olympic Halbinsel verabschieden und nach Portland, OR fahren, widmen wir uns noch einmal zwei faszinierend schönen Ausschnitten des Olympic National Parks. Wir beginnen im Hoh Rain Forest. Bereits gestern, mit der Ankunft in Forks haben wir bemerkt, dass die westliche, dem Pazifik voll zugewandten Seite der Halbinsel, sehr viel kühler aber auch feuchter ist. Die Natur wirkt längst nicht so von der Hitze der letzten Wochen ausgezehrt.

Auf der Fahrt tiefer in die Wälder verstärkt sich der Eindruck in einen unberührten Urwald zu fahren. Die Straße schlängelt sich entlang des Hoh River. Paul und ich spekulieren, ob wir hier wohl Lachse fangen würden. Die gibt es hier in jedem Fall und nicht nur Angler auf zwei Beinen. Vor Bären wird gewarnt bzw. der richtige Umgang bei einer Begegnung geschildert. Während ich aus dem Fenster starre, summt in meinem Kopf die Titelmelodie aus Brokeback Mountain.

Die Straße endet nach 15 Miles. Wir gehen zu Fuß weiter,  tiefer in den Hoh Rain Forest. Meine Bilder können, wenn überhaupt, nur einen kleinen Eindruck vermitteln. Der Wald wirkt auf mich wie einer der Urwälder aus meinem Geographie Schulbuch - ein Wald aus längst vergangener Zeit. Gigantisch hohe Bäume - Douglasien, Riesenlebensbäume, Oregon Ahorn und Sitkafichten ragen weit in den Himmel. Der Boden und die Bäume sind dicht bewachsen und behangen mit Moosen. Wir laufen durch mannshohe Farne. Alles bleibt wie es ist: Kein Mensch mischt sich in die Geschicke der Natur ein - Bäume wachsen, stürzten zu Boden, vergehen und sind Grundlage für Neues.

Langsam bricht auch die Sonne hinter dem Hochnebel hervor, verdrängt die Wolken, die Strahlen wärmen und verzaubern den Wald. Wir müssen weiter, fahren zurück auf den Highway 101 in Richtung Süden. Nach ca. 30 Minuten Fahrt sind wir wieder am Pazifik. Es bietet sich erneut ein Anblick zum Staunen: Ruby Beach. Große Mengen an Driftwood liegen am Strand. Die Ebbe lässt den Strand noch tiefer und breiter erscheinen. Wir können bis zu einigen der Felseninseln laufen. Vor wenigen Minuten hatten wir noch Waldduft in der Nase, nun ist es wieder frische, salzige Meeresluft.

Es zieht uns weiter. Der 101 bringt uns bis nach Aberdeen. Der Ort hat seine besten Zeiten schon einige Jahrzehnte - bald ein Jahrhundert - hinter sich. Fischfang und Holzwirtschaft sind nicht mehr einträglich und für recht viel mehr hat es bisher noch nicht gereicht.

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Umso erstaunter sind wir, dass wir in dem gottverlassenen Nest eine kleine Perle der Gastfreundschaft finden. The Jitter House ist ein kleines Café welches tatsächlich richtig guten italienischen Kaffee und köstliche Sandwiches zaubert. Gottverlassen ist es überhaupt nicht - der Inhaber ist bibelfest und offensichtlich sehr gläubig. Im Lokal stehen einige Pokale von Bibel Rezitierwettbewerben, nebst diversen Devotionalien und Bibelsprüchen an der Wand. Das Türschild verbindet Patriotismus und Glaube. 

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Von Port Angeles nach Forks - Olympic National Park

Der heutige Tag bringt uns nur 70 Miles weiter, bereichert uns aber um fantastische Eindrücke. Wir fahren von Port Angeles, WA nach Forks, WA und befinden uns im Olympic National Park, in Mitten der Olympic Halbinsel, eingerahmt vom Pazifischen Ozean.

Dieser US Nationalpark ist weniger bekannt aber nicht weniger interessant. Das faszinierende sind die unterschiedlichen Landschaften. Von der Alpinen Hurricane Ridge über tiefe, unberührte Urwälder, bis hin zur rauen zerklüfteten Nordpazifikküste. Alles in einem National Park.

Den Vormittag verbringen wir auf knapp 1.700m Höhe, wandern ein wenig entlang der Hurricane Ridge. Unsere Fahrt bringt uns, wie schon beschrieben durch urige und üppig, grün tiefe Wälder nach Forks. Wir lassen unser Reisegepäck rasch im Motel und machen uns auf den Weg an die Pazifikküste. Hat es heute Morgen nach Pinienwäldern gerochen, haben wir nun den frischen, salzig-fischigen Duft der Küste in der Nase.

Die Küste und ihre Strände sind rau, zerklüftet - Felseninseln, teilweise bewaldet, ragen heraus. Das Wasser sehr kühl und stark salzig. Wir befinden uns in dem kleinen Fischerdorf "La Push". Es beherbergt 350 indianische Seelen vom Stamm der Quileute. Eine kleine Marina, mit aktiven Fischerbooten und ein noch kleineres (leckeres) Fischrestaurant - das wars.

Es ist herrlich bereichernd hier gewesen zu sein!

Von Seattle nach Port Angeles

Wir lassen Seattle und seinen Großraum hinter uns, bewegen uns zunächst südlich nach Tacoma, um von hier aus in Richtung des Highway 101 zu steuern. Dieser bringt uns zu unserem heutigen Etappenziel, Port Angeles.

Tacoma hat seinen Namen der indianischen Bezeichnung des heutigen Mount Rainier zu verdanken. Sie nannten ihn Mount Tahoma. Der Berg gehört zu den aktiven Vulkanen der USA und ist an vielen Tagen sowohl von Seattle, als auch von Tacoma aus zu sehen. Wir haben den Vulkan seit unserer Ankunft noch nicht einmal zu Gesicht bekommen. Die Fernsicht ist extrem niedrig - die Region plagt sich mit dichten Rauchwolken der diversen Waldbrände in Oregon und Kalifornien.

Tacoma selbst verfügt über einen für die Region wichtigen Cargo Hafen, entsprechend nehmen wir die Optik beim Vorbeifahren als maritim-industriell war. Kurz hinter Tacoma bringt uns die Tacom-Narrow-Bridge über den Puget Sound auf die Halbinsel Kitsap. Die Natur übernimmt, das Landschaftsbild wird von größeren, urigen Waldgebieten bestimmt. Jetzt fühlen wir uns mehr und mehr im Norden der USA angekommen.

Von der Halbinsel Kitsap geht es weiter nach Olympic Peninsula. Der nächste Ort am 101 nennt sich Sequim und bezeichnet sich selbst als Lavendel-Hauptstadt. Von den Lavendelfeldern der vielen kleinen Farmen haben wir optisch nicht viel mitbekommen. Es ist zum einen keine typische Blütezeit, zum anderen war es auch im Norden der USA ungewöhnliche warm. Wiesen und Felder sind, wie in Europa, ziemlich ausgetrocknet.

Normalerweise wären wir die gesamte Fahrt über von den Olympic Mountains begleitet worden. Auch diese sind leider nicht zu sehen und verstecken sich hinter den Rauchschleiern. Sehr schade, da die Straßenführung optisch ein Schmankerl gewesen wäre. So fehlen mir auch schöne fotografische Elemente von unserer heutigen Fahrt.

Am Nachmittag erreichen wir Port Angeles. Ein Spaziergang hilft uns diesen keinen Ort zu erfassen. Port Angeles ist der nördlichste Punkt - in 90 Miles Entfernung befindet sich Kanada. Sequim und Port Angeles fungieren, zumindest in den Sommermonaten als Rückzugsort gut betuchter Bürger aus Seattle. Beide Ort sind klein aber gut gepflegt. Die Temperatur ist hier auch spürbar gesunken und sobald die Sonne untergegangen ist, muss man von kalten Temperaturen sprechen. Diese werden uns in den kommenden 2 Tagen bei der Umrundung der Olympic Halbinsel begleiten.